kauri.

Bronze. Silber. Gold. Besser als Gold geht’s nicht. Aber was genau heißt denn „besser“? Wenn wir das Thema Gold aus ökologischer Sicht betrachten, ist das Edelmetall nämlich eher als Schlusslicht zu einzustufen.

Gold- und Silberminen befinden sich zumeist in Höhenlagen und somit auch sehr nah an den örtlichen Trinkwasserquellen. Eine solche Mine verbraucht täglich mehrere Millionen Liter Wasser, das mit giftigen Chemikalien vermischt wird, um das Edelmetall vom Stein zu lösen. Für den Abbau und die Verarbeitung von Gold als Rohstoff ist ein aufwändiger Prozess und der Einsatz von aggressiven Chemikalien nötig. Dieser beginnt damit, Landschaften aufzusprengen, um das Gestein herauszulösen, in dem Gold vermutet wird. Und ja, zu diesen Landschaften gehört auch der für uns so lebensnotwendige Regenwald. Wöchentlich hat die Goldindustrie so das Verschwinden von 50 Hektar Regenwald zu verantworten. Nach der Sprengung müssen die Goldpartikel aus dem Gestein gelöst werden (richtige „Nuggets“, sind kaum noch zu finden). Dafür wird das geborgene Gestein auf riesigen Plastikplanen ausgebreitet und wochenlang mit Zyanidlösungen beträufelt. Was dabei herauskommt, sind oftmals nur 2 Gramm Gold pro Tonne Gestein. Ein Goldring ist somit für 14 Tonnen Zyanid-verseuchte Erde verantwortlich. 14 Tonnen für einen einzigen Ring.

Das verseuchte Wasser braucht ein Endlager 

„Entsorgt“ werden die Zyanidlösungen, indem sie gelaugt werden. Dies geschieht entweder in offenen Becken, deren Dämme brechen und die hochgiftige Flüssigkeit in die Natur entlassen können (wie es 2015 in Argentinien passiert ist) oder in geschlossenen Tanks, die jedoch weiterhin giftige Schlacke enthalten. In vielen Ländern (z.B. Indonesien) wird diese dann in Flüsse und Meere gekippt. Das verseuchte Gestein, aus dem das Gold herausgelöst wurde, bildet an der Luft Säuren, die sich über längere Zeit hinweg durch den Boden zum Grundwasser durchfressen und dieses für immer verseuchen.

Wird kein Zyanid verwendet, kommt vielerorts auch Quecksilber zum Einsatz. Das Quecksilber verbindet sich mit dem Gold. Durch Erhitzen kann das Quecksilber dann wieder vom Edelmetall gelöst werden. Dabei entstehen allerdings nicht nur giftige Dämpfe, die ungehindert in Luft und die Lungen der Tiere und Arbeiter*innen übergehen, sondern auch Schwermetalle wie Arsen, Blei und Kadmium. Schätzungsweise gelangen so allein in den Amazonas 100 Tonnen Quecksilber.

Gesundheitliche Folgen und Kinderarbeit

Mit der romantischen Vorstellung, dass Goldsucher mit Sieben in Flussbetten stehen und nach Gold suchen, hat die moderne Goldindustrie nichts mehr zu tun. Vergiftungen, Umweltverseuchungen und die Zerstörung von Lebensgrundlagen sind derzeit nicht nur die Ausnahme, sondern die Regel: Giftige Dämpfe werden inhaliert, Schadstoffe gelangen in Flüsse und Seen und letztlich auch in die Nahrungskette. Quecksilber schädigt das Nervensystem und Zyanid behindert nicht nur die Sauerstoffzufuhr im Körper, sondern kann schon in kleinen Mengen sogar zum Tod führen. Allein im Amazonasgebiet werden jährlich circa 80.000 Tonnen Fisch verzehrt, sodass die Bevölkerung durch das Quecksilber schleichend vergiftet wird. All diese Konsequenzen erleben allein in Peru 50.000 Kinder. Sie arbeiten in den Stollen, schleppen Steine und atmen die giftigen Dämpfe ein, die zu geistigen Behinderungen führen können. Viele von ihnen sind gerade einmal 6 Jahre alt. Aber auch in Ecuador, dem Kongo und Südafrika sind vielerorts Kinder in den Minen beschäftigt.

Am stärksten leiden die Menschen vor Ort 

Die Menschen, die in Abbaugebieten leben, erfahren die Konsequenzen des industriellen Goldabbaus am stärksten. Vielerorts erheben sich Widerstände, die oftmals auch von strukturell schwachen Minderheiten angeführt werden. So auch in den Anden von Peru. Im dritten Blogartikel zum Thema Gold erzählen wir die Geschichte von Maxima Acuna de Chaupe, die sich für Gerechtigkeit einsetzt und so zur Symbolfigur des Widerstandes gegen die mächtige Goldindustrie geworden ist.

Zu den veröffentlichten Teilen der Blogreihe:

TEIL 1: Gold - Ein Edelmetall, das wir neu denken müssen

TEIL 2: Gold - Warum sein Abbau die Umwelt vergiftet

 

Quellen:

[1] https://www.deutschlandfunk.de/argentinien-schwerer-zyanid-unfall-stellt-mega-bergbau.697.de.html?dram:article_id=333915

[2] https://www.spiegel.de/wirtschaft/gefaehrlicher-goldabbau-ein-ehering-produziert-20-tonnen-giftmuell-a-542725.html

[3] https://www.spiegel.de/wirtschaft/gefaehrlicher-goldabbau-ein-ehering-produziert-20-tonnen-giftmuell-a-542725.html

[4] https://www.bicc.de/uploads/tx_bicctools/BICC_brief_46_d.pdf (S. 29)

[5] https://www.regenwald.org/files/de/gold-fakten-download.pdf

Foto by Alexander Luna

Vorheriger Artikel